Battambang – Alles läuft

Nach einem gemütlichen Frühstück im dem Hostel angeschlossenen Café suchten wir uns unseren Remork-Fahrer aus. Er sprach nur das Englisch, das er sich von Touristen angeeignet hatte und hatte uns schon während des Frühstücks angequatscht. Eigentlich hatte er sich uns bereits ausgesucht. Wir waren ein bisschen skeptisch, ob er wohl verstehen würde, was wir sehen möchten und da wir nicht viel Plan von der Gegend hatten, uns auf dem Weg noch weitere Tipps und Infos geben könnte. Doch alles verlief prima. Wir kommunizierten in Englisch oder per Hand und Fuß. Geplant waren die Bambusbahn, der Tempel Prasat Banan und Phnom Sampeau. Dazwischen gab es viele kleine Zwischenstopps von denen man mit böser Zunge von einer Verkaufsfahrt bei seinen Bekannten sprechen könnte. Tatsächlich war es aber sehr interessant und ungezwungen und einiges davon stand auch in unserem Reiseführer.

Großer Straßenbuddha Dambang Kranhoung
Dambang Kranhoung

Gleich an der ersten großen Straßenkreuzung hielt der Fahrer an und erklärte uns, das die Stuatue des Dambang Kranhoung, der die Mitte säumt, von Menschen früh morgens bis abends besucht wird, diese Essen als Opfergabe da lassen und für ihre Anliegen bitten. Sogar aus China und Indien kommen die Menschen dorthin.

Im Anschluss ging es durch die Dörfer zur Bambusbahn. Diese ist nicht etwa ein Bummelzug, der viele kleine Dörfer abklappert. Am Bahnhof standen mehrere lorenartige Gefährte mit Rollermotor bereit, die von je einem Fahrer bedient werden. Eine ca. 1 stündige Fahrt kostet 10 Dollar und wird auf die Anzahl der Fahrgäste, die zusammen fahren wollen, max. 10, heruntergebrochen. In rasanter Fahrt ging es 20 Min immer gerade aus über ruckelige Schienen und kleine Brücken quer durch die Pampa. Links und rechts flogen Bäume, Felder und Kühe vorbei. Kommt einem ein Bambuswagen entgegen, gilt das Gesetz: der Wagen mit der kleinsten Fahrgastanzahl muss die Schienen räumen. Dies ist schnell erledigt, da er nur aus der oberen Platte und zwei Achsen besteht. Es wird kurz in einem Dorf am Ende der Schienen Halt gemacht und dann geht es die gleiche Strecke zurück.

Danach fuhren wir in ein Dorf, in dem wir durch ein gut erhaltenes, für die Gegend typisches Familienhaus geführt wurden. Es steht auf Holzstelzen und der untere Teil dient als offener Raum, der bei guten Wetter tagsüber genutzt wird. In den oberen Räumen wird überwiegend geschlafen. Der Großvater der alten Dame, der es gehört, hat es aus sehr hochwertigen Holzmaterialien gebaut. Er war damals eine Art Governeur. Mittlerweile wird der Großteil des Hauses als Museum genutzt.

Ein nächster kurzer Stopp wurde an einer langen Hängebrücke gemacht. Über diese gelangen Fußgänger und Motorbikes zu einem Dorf. Die Brücke führt über einen großen Fluß, der von Thailand nach Kambodscha fließt und weiter östlich in den Tonle Sap See mündet. An dem niedrigen Wasserstand wurde uns deutlich, dass es mit der Bootstour nach Battambang wirklich nicht hätte funktionieren können.

Es ging weiter zur Banan Weinkellerei. Hier probierten wir uns durch Rotwein, Brandy, Trauben- und gesüßtem Ingwersaft. Wir luden unseren Fahrer ein und schnackten eine Runde. Was wir verstanden war, dass seine Familie Ende der 70er vor dem Regime der roten Khmer an die thailändische Grenze flüchtete, um dort etwas zu Essen zu
bekommen. Gegen 1986 wanderten sie nach Kanada aus und arbeiten als Musiker in Restaurants. Jetzt kommen sie ihn ab und zu besuchen.DSC09183

Als Dankeschön für die Einladung spendierte er uns auf dem weiteren Weg eine Runde Sticky Rice. Eine Masse aus Reis, Zucker, Kokosmilch und roten Bohnen, die in ein Stück Bambusrohr gedrückt und gegart wird. Es ist ein beliebtes kambodschanisches Dessert.

DSC09194

Am nächsten Halt präsentierte er uns eine große Sorte von Fledermäusen, die überall in den Bäumen hingen und sich von ihrem nächtlichen Futterflug ausruhten. Sie fliegen über 100 km jede Nacht.DSC09203

Nun kamen wir am Tempel Prasat Banan an. Um ihn zu sehen, liefen wir 358 Stufen in der prallen Mittagssonne hinauf. Doch es lohnte sich. Es waren kaum Touristen dort und die verfallenen Ruinen ließen einen vermuten, dass an diesem Ort die Zeit stehen geblieben ist.

Nach unserem Abstieg hatten wir sehr leckeres Mittagessen in dem Stand gleich an den Treppen und unterhielten uns mit einem Australier, den wir abends zufällig im Restaurant Delicious in Battambang wiedertrafen.

Über eine staubige Straße ging es an Dörfern vorbei zum Tempel Phnom Sampeau. Dieser liegt weit oben auf einem Hügel. Da wir etwas spät dran waren, ließen wir uns mit einem Motorbike hoch fahren. Zunächst bis zum ersten Plateau bei den Killing Caves. Hier wurden in der Zeit der Roten Khmer sehr viele Menschen getötet und durch ein Loch im Fels in eine Höhle geworfen. An diese dunkle, noch sehr junge Vergangenheit wird mit zwei Mahnmalen erinnert. Dies sind ein Käfig und eine gläserne Box mit menschlichen Skeletten. Auf dieser Ebene konnte man sich noch einen von innen bunt bemalten Tempel und eine Plattform mit goldener Buddhastatue ansehen.


Ganz oben befand sich die relativ große Tempelanlage von Phnom Sampeau. Hier hatte man einen tollen Ausblick auf die Landschaft. Zu sehen gab es noch eine deutsche und eine russische Kanone und eine großartige Höhle. Eine lange steinerne Treppe führte hinab zu einem spirituell anmutende Gewölbe mit zwei Statuen im Eingang. Die Decke hing voll mit kleinen Fledermäusen. Hier fühlt man sich wie ein Abenteurer aus vergangenen Jahrhunderten.

Die Treppen hinunter ging es nun zur Bat Cave, in der Millionen von kleinen Fledermäusen wohnen. Zusammen mit weiteren Urlaubern warteten wir gespannt den Sonnenuntergang ab. Dann verließen die Fledermäuse in einem nicht enden wollenden Schwarm ihre Höhle im Phnom Sampeu. Sie würden an dem Abend noch über 200 km bis zum Tonle Sap See zurücklegen um Nahrung zu suchen. Danach machten wir uns auf den Heimweg.DSC09416

Dieser Tag war der gefühlt heißeste unseres Urlaubs. Und er war der erste komplett ohne Klimaanlage.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.