Über Nacht in Klungkung – Verrückt?!

Bekannterweise waren wir pleite, weil es in Sidemen keinen für uns passenden Geldautomaten gab. Der nächste steht in Klungkung, ein Ort ca. 16 km von Sidemen entfernt. Da dieser auf unserer Route Richtung Süden lag, beschlossen wir einfach weiterzureisen und eine Nacht in Klungkung zu bleiben. Der Reiseführer sagte uns, historisch gesehen ist die Stadt wichtig und es gibt auch ein wenig was zu sehen. Wir ließen uns dann in das einzige Hotel fahren, das es in der Stadt gibt, das „Klungkung Tower Hotel“. Diese Tatsache machte uns etwas stutzig, aber es war noch ein Zimmer frei. Sauber war es nicht wirklich und das Waschbeckenrohr leckte, aber wir hörten, dass das Home Stay, das es noch gäbe, nicht so sauber sei, wie das Hotel. Also wechselten wir die Bettwäsche und störten uns nicht weiter dran.

Wir machten uns erstmal auf, die Stadt zu erkunden. Klungkung ist verhältnismäßig groß, mit vielen Geschäften und recht schicken Häusern. Wenn man hier wohnt, scheint es einem nicht so schlecht zu gehen.

Rondell im Zentrum Klungkungs
Rondell im Zentrum
Straßenschmuck zu den Feiertagen
Straßenschmuck zu den Feiertagen
Im Spielzeugladen
Im Spielzeugladen

Wir folgten einer Hauptstraße und endeten nach ca. 1,5 h in einer kleinen Siedlung am Stadtrand. Hier gab es nur noch Felder und Menschen, die sich offenbar wunderten, was wir hier wollten. Es waren aber weiterhin alle sehr freundlich und grüßten und. Witzigerweise ist es balinesischer Smalltalk zu fragen: „Where do you go?“ Tja, schwer zu beantworten, wenn man nur so umherirrt. Meist fragten wir dann, wo wir denn hingehen sollten. Hier war die Antwort „To the beach.“ Nach weiteren 20 min Fußweg an den Feldern vorbei, merkten wir aber, dass dieser Weg ohne Roller viel zu lang sein würde und drehten um.

Stadtrand von Klungkung
Stadtrand

Die Sonne brannte und wir nutzten das Angebot eines Kutschers, uns mit seinem armen Gaul zurück in die Stadt zu fahren. Vom Straßenrand aus und von den passierenden Rollern wurden wir breit angelächelt und für unser Transportmittel gelobt. Mit der Kutsche fahren wohl nicht so viele Menschen oder nur Touristen.

In der Dokar, der Ponykutsche
In der Dokar, der Ponykutsche

Zurück in der Stadt, machten wir uns kurz frisch und brachen dann auf, den Taman Kertha Gosa Komplex und das Puputan-Denkmal anzusehen. Klungkung, das heute eigentlich Semarapura heißt, war einstiger Sitz eines Königs. Im Jahr 1908 wurde jedoch der Palast von den Niederländern umstellt und das letzte balinesische Königreich ging unter. Der König und seine Familienmitgleider unterwarfen sich nicht, sondern zogen es vor durch die Kugeln der Niederländer und durch die eigenen traditionellen Dolche, den sog. „Kris“, zu sterben. Diese Art von Tod nennt sich „Puputan“. Diesem Ereignis gedenkt das Denkmal und erläutert im Inneren die Kriegsgeschichte Balis.

Der Kertha Gosa Palast war ursprünglich größer. Übrig geblieben sind die Gerichtshalle, der schwimmende Pavillion und das Museum, in dem archäologische und traditionelle Stücke ausgestellt und die Herstellung von Palmzucker und Songket-Stoffen erklärt werden.

Gerichtshalle der höchsten richterlichen Instanz im Königreich Klungkung
Gerichtshalle der höchsten richterlichen Instanz im Königreich Klungkung
Brücke zum
Brücke zum „Schwimmenden Pavillion“ – Bale Kambang

Abends besuchten wir den Nachtmarkt. Hier gab es Essensstände, Kleidung, Spielsachen und weiteren Krimskrams. Wir suchten uns einen gut besuchten Stand und aßen das dort meist bestellte Essen – Nasi Goreng. Es schmeckte so gut, dass Jan gleich noch eine zweite Portion bestellte.

Warung auf dem Nachtmarkt
Unser Warung auf dem Nachtmarkt

Auf dem Markt wurden wir wieder von allen Seiten freundlich gegrüßt. Scheinbar waren wir auch die einizigen Touristen dort. So richtig bewusst wurde uns das, als uns Jemand einfach ansprach und fragte, ob wir über Nacht bleiben würden. Als wir bejahten, fand er dies wohl sehr löblich. In Klungkung über Nacht zu bleiben, war also eine ganz schön ausgefallene Idee von uns. Das erklärt auch die übersichtlichen Übernachtungsmöglichkeiten. In diesem einen Hotel gab es übrigens keine Ausschanklizenz für Bier, was in dieser Stadt normal ist. In einem einzigen Lokal wurden wir jedoch fündig und gönnten uns ein kleines Bintang vor dem Schlafengehen. Klungkung – der Ort ist anders, aber herzlich. So wünschte unser Hotel allen Hindus alles Gute zum Galungan und Kuningan Fest und allen Muslimen zum Abschluss der Ramadans. Wenn es nur immer so friedlich sein könnte.

Glückwünsche an Hindus und Moslems
Glückwünsche an Hindus uns Moslems

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