Ein geschenkter Tag – Jimbaran

Am nun wirklich letzten kompletten Tag, der uns auf Bali blieb, suchten wir nach einem Szenenwechsel, denn auf der Touri-Halbinsel Bukit hielt uns nichts mehr. Wir entschieden uns für den Ort Jimbaran, der in unmittelbarer Flughafennähe liegt und einen schönen Strand haben sollte. Wir frühstückten vor der Abfahrt im Hotel gegenüber, dem Pink Coco Bali, das ausgebucht war und aufgrund der angenehmen Atmosphäre vermutlich eher zu empfehlen ist, als unser Hotel. In unserem Zimmerpreis war zum ersten Mal kein Frühstück inklusive und das, obwohl wir nie mehr gezahlt hatten, als für diese Nacht.

Wir suchten uns im Internet ein günstiges Hotel in Jimbaran heraus und hielten ein Taxi am Straßenrand an. Der Taxifahrer war zum Glück ortskundig, denn nachdem wir ihm einmal kurz die Adresse auf dem Smartphone gezeigt hatten, hatten wir die Internetverbindung auch schon verloren und die Adresse natürlich nicht aufgeschrieben…Tipp: Niemals die Browserseite verlassen, wenn Ihr Euch außerhalb einer WLAN-Zone befindet!

Bezahlbare Hotels gab es so kurzfristig nur im Stadtbereich, unseres, das Jimbaran Lestari Hotel, lag ca. 30 min Fußmarsch vom Strand entfernt. Das ist nicht so schlimm, wenn man zwischendurch nicht zurück muss, jedoch ist eine schöne Nachbarschaft etwas anderes. Nebenan war wohl so etwas, wie eine inoffizielle Müllverbrennungsfläche, deren beißender Geruch ab und zu übers Hotelgelände waberte. Das Hotelpersonal war sehr freundlich, das Zimmer eher mittelmäßig. Mal wieder hatten wir ein tropfendes Abwasserrohr. Beim Verlassen des Hotels, baten wir um eine Reparatur und um einen pünktlichen Taxiservice zum Flughafen am frühen Morgen.

Über eine Straße mit Eingängen zu teuren Hotels und zu den ersten Strandrestaurants erreichten wir Jimbaran Beach von der Südspitze her. Der erste Eindruck vom Strand selbst – breit, lang, hell, schön, romantisch – blieb den ganzen Tag, obwohl sich auch hier einige Touristen tummelten. Aber die Atmosphäre war entspannt und befreiend, vielleicht weil uns dieser Tag geschenkt wurde.

Jimbaran Beach

Wir suchten uns eines der vielen Restaurants am Strand für unser Mittags-Mi-Goreng. Die Möblierung am Strand war zwar sehr einfach, aber das Essen mal wieder sehr köstlich. Wir bekamen als Überraschung noch einen Salat vorweg und einen Obstteller nach den Nudeln, zu denen wir erstmalig eine fantastische Saucenauswahl hatten. Auf Trab gehalten wurden wir während des Essens von kleinen Sandfliegen, die uns an den Füßen kitzelten. Aber Fliegen die kitzeln, beißen nicht.

Jimbaran Beach

Nach dem Essen spazierten wir den halbmondförmigen Strand Richtung Norden und beobachteten verwundert, welche Mengen an zusätzlichen Tischen und Stühlen die Restaurants aus dem Nichts zauberten und so weit es ging auf der Breite des Strandes aufbauten. Kurz vor Sonnenuntergang wurde das Rätsel gelöst: Chinesen  – viele, viele, sehr viele Busse voll! Sie alle waren gekommen, um den Sonnenuntergang bei einem Seafood Dinner in „romantischer Atmosphäre“ zu genießen.

Jimbaran Beach

Wir beobachteten das bunte Treiben im Hintergrund, denn wir waren inzwischen an einem langen Steg sehr weit im Norden des Strandes angekommen, um den herum die Fischer ihre Netze auswarfen. Am Ende des Strandes sah man in der Röte des Sonnenunterganges Flugzeuge von einer Seite kommend landen und von der anderen Seite aus starten, als würden die Bahnen direkt vor uns den Strand kreuzen. Am nächsten Morgen würden wir auch in einem der Flieger auf dem Weg nach Hause sitzen.

Jimbaran Beach

Uns blieb aber noch der Abend und so machten wir einen kurzen Schlenker über den Fischmarkt von Jimbaran, auf dem um diese Zeit nur ein paar Warungs geöffnet waren und gingen dann am Strand wieder Richtung Süden.

Jimbaran Beach - Fischerboote

Wir waren noch nie in China und können über die chinesische Mentalität nur spekulieren, aber Chinesen im Urlaub sind für uns Deutsche auf jeden Fall skurril und amüsant. Alle, und ich meine wirklich alle, die sich am Strand befanden, haben Selfies von sich und dem Sonnenuntergang geschossen oder sich fotografieren lassen. Die Posen beherrschen vor allem die Mädels, von klein bis groß, perfekt! Es war unmöglich Niemandem im Bild zu stehen, also gingen wir irgendwann einfach mitten durch. Der Sonnenuntergang war aber auch wirklich wunderschön.

Jimbaran Beach

Nachdem wir die größten Menschenmassen hinter uns gelassen hatten, fanden wir ein nettes Plätzchen, das in zweiter Reihe zum Wasser tatsächlich ziemlich heimelig war. Wir tranken unsere letzten Bintangs und genossen den Sonnenuntergang. Weiter hinter uns, vor den Restauranteingängen, wurden plötzlich balinesische Tänze für die Gäste aufgeführt, während vor uns am Strand eine Musikergruppe die Menschen mit westlicher Musik unterhielt.

Jimbaran Beach

Der Zeitpunkt war gekommen, um weiterzuziehen und die Kellner ihrem Schicksal, dem Abräumen der mit Essensresten übersähten Tische der chinesischen Gäste, zu überlassen. Wir gingen vom Strand durch das Restaurant hindurch und wollten mit einem Taxi irgendwo in der Stadt hinfahren, wo vielleicht noch etwas los ist, aber soweit kam es nicht. Zunächst wollte man uns mehrfach einer Reisegruppe zuordnen, denn das Personal war eifrig damit beschäftigt, alle Touristen wieder in die richtigen Busse zu verfrachten. Wir bestellten ein Taxi, der Taxifahrer konnte uns aber weder einen guten Tipp für den Abend geben, noch kannte er die Straße unseres Hotels – wir stiegen wieder aus.

Ein Spaziergang am Strand entlang brachte uns dann zu einer extrem relaxten Strandbar des schicken Belmond Jimbaran Puri Hotels, in der wir es uns auf einen Gin Tonic in zwei gepolsterten Armliegen mit Blick auf das im Dunkeln sanft rauschende Meer gemütlich machten. So sollte jeder Urlaub enden, herrlich! Achso, der Gin Tonic kostete übrigens mit 10 € pro Person genauso viel, wie das Hotelzimmer, aber hey, das war es wert. Wie schick das Hotel tatsächlich war, stellten wir fest, als wir uns in unseren Backpackerlumpen durch die Lobby zur Straße schleichen wollten. Uns wurde ein Taxi gerufen und wir warteten etwas kleinlaut in den Ledersesseln. Wenn man viel Geld ausgeben möchte, ist dies sicher eine gute Adresse, das Personal war auf jeden Fall sehr freundlich.

Jimbaran Beach

Zurück im Hotel, stellten wir fest, dass wohl Jemand bei uns im Bad war, um das Rohr zu reparieren, denn das Licht war angeschaltet. Das Rohr leckte immer noch und zusätzlich hatten wir mindestens 30 Moskitos in unserem Zimmer. Diese Menge war eine Premiere für uns. Wie wild klatschten und schlugen wir um uns ohne Rücksicht auf schlafende Nachbarn. Unser Ziel: Nicht schlafen zu gehen, solange wir noch einen Moskito im Raum wussten. Nach etwa einer Stunde waren wir an dem Punkt angekommen und hatten vorsichtshalber das Moskitonetz aufgespannt. Wenigstens wurde es noch einmal wirklich gebraucht.

Am nächsten Morgen lugten wir unter dem Netz hervor, duschten und packten im Eiltempo, zappelten durchgängig, damit kein Moskito sich auf uns ausruhen konnte – wir hatten offenbar doch nicht alle getötet – und waren froh, als wir die Tür hinter uns schlossen. Nun ging es auf der letzten Taxifahrt zum Flughafen. Die Flugstrecke verlief, wie beim Hinweg, über Dubai nach Hause. Christine bekam wieder exotisch vegetarische Menüversionen, die irgendwie nicht so richtig zur inneren Magenuhr passen wollten und Jan genoss das kostenlose Budweiser.

Kinder und Drachen - Terima kasih!
Terima kasih!

Vielen Dank Bali, für Deine natürliche Schönheit, Deine Spiritualität, Deine Abenteuer, Deine Traditionen, Deine Gastfreundschaft und Deine Menschlichkeit. Terima kasih! – Wir kommen gerne wieder.

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